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Gedenktafel unterer Brücke Klein

Wir gedenken den getreuen gefallenen deutschen Soldaten in unauslöschbarer Dankbarkeit – NICHT

Im Weltkrieg 1939 bis 1945 fielen aus der Stadt Bamberg 1992 getreue deutsche Soldaten an den Fronten Europas und Afrikas. Durch Bombenangriffe gaben ihr Leben für die Heimat 242 Männer, Frauen und Kinder. Vermisst blieben 1642 Brüder und Schwestern. Wir gedenken Ihrer in unauslöschbarer Dankbarkeit.

Die Gedenktafel. Großansicht

Diese Worte hängen in Bamberg an der unteren Brücke mitten im Weltkulturerbe. Regelmäßig werden sie von Menschen nachts mit Farbbeuteln beschmissen. Darauf reagiert der Stadtrat wie ein trotziges Kind. Frei nach dem Motto: “Wenn du etwas von mir kaputt machst, mache ich etwas von dir kaputt” wird gesagt, dass man sich den Straftätern auf keinen Fall beugen kann. Eine Videoüberwachung muss her um diese Tafel vor den Angriffen zu schützen.

Natürlich verstehe man, dass diese Formulierung nicht “dem Zeitgeist” entspreche. Aber es sei mit seiner unkritischen Haltung zum NS-Regime ein “wichtiges Zeitdokument” und dürfe deswegen doch nicht entfernt werden. So stimmte auch der Kultursenat und so argumentiert auch die CSU.

Nun wurde die Tafel wieder beschmutzt und wieder wird sie Thema im Stadtrat sein.

Ich muss sagen, mir langt es.

Lieber Stadtrat, der Text auf dieser Tafel ist eine Schande für die weltoffene Stadt Bamberg und ein Schandfleck im Weltkulturerbe. Ich möchte es einzelnen Verwandten von gefallenen Soldaten und Bombenopfern nicht nehmen, ihrer Lieben zu Gedenken. Und ja, nicht jeder Soldat im Dritten Reich war eine reine Ausgeburt des Bösen – das waren alles Menschen, dessen bin ich mir bewusst.

Aber sie waren Teil eines Systems, das Millionen Menschen den Tod und unglaubliches Leid brachte. Wir als Gesellschaft haben dadurch eine unglaubliche Verantwortung und werden dieser nicht gerecht, wenn wir Teilen des Systems in “unauslöschbarer Dankbarkeit” gedenken. Ich bin Ihnen nicht dankbar für das was sie taten. Meine unauslöschbare Dankbarkeit gilt den Widerständlern wie den Mitgliedern der Weißen Rose, die den unglaublichen Mut aufbrachten, sich gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten zu stellen.

Wenn man dieses “Zeitdokument” unbedingt erhalten will hat man die Möglichkeit, es in ein Museum zu hängen. So lange man es an dieser Wand hängen lässt, sagt man damit aus, dass man die Aussagen auf dieser Tafel teilt. Da hilft auch keine “Erklärtafel”, die erklärt dass die Tafel doch im “Zeitgeist” der Fünfziger zu sehen ist: Wer sie hängen lässt zeigt damit höchstens, dass wir als Gesellschaft nicht vorangekommen sind.

Ich hoffe aber wir sind es. Und genau deswegen muss diese Tafel eins: Da weg.

17 Kommentare

  1. 1

    Moin Benjamin
    das ist ein sehr gut formuliertes und sehr richtiges Statement!
    Man kann kaum glauben, dass sich die Stadt dafür stark macht, die Tafel so hängen zu lassen.
    Die gehört, wenn dann in ein Museum mit einer vernünftigen Erklärung der Geschichte.
    Gab es in Bamberg einen nennenswerten Widerstand? Da sollte die Stadt einmal recherchieren und denen eine Gedenktafel setzen.
    Auch den Soldaten und den anderen Opfern des Weltkrieges kann man gedenken, aber nicht in Dankbarkeit sondern in Trauer für deren sinnlosen Tod und beschämt über das System dessen Teil sie – wenn vielleicht auch ohne wirkliche Absicht – waren. Und wenn man erinnert, dann sollte man auch den sicherlich vielen gedenken, die aus Bamberg in KZs verbracht und dort getötet wurden. Alleine schon die Tatsache, dass diese Bürger Bambergs nicht erwähnt werden, sollte Grund genug sein, um die Tafel so schnell wie es geht verschwinden zu lassen.

    Karl-Heinz
    Pirat aus Niedersachsen

  2. 2

    Da kann man ja nur zustimmen, die Tafel muss weg!!
    Besonders abstrus finde ich die Aussage der CSU, die Tafel müsse als “wichtiges Zeitdokument” erhalten bleiben. Nach der Argumentation hätte man auch einfach alle Hakenkreuze stehen lassen können. Und wer die Tafel wirklich nur als historisches Gut erhalten will, kann sie sich ja genauso gut in einem Museum anschauen. Das ist schließlich die Funktion von Museen.

    ThomasG
    Student aus Bamberg

  3. 3

    lasst den Alten ihre Denkmale.
    Noch sind nicht alle Hinterbliebenen unter der Erde.Solange das so ist,kann man nicht von historischen Relikten sprechen.
    Ich kann zwar die Argumente nachvollziehen,finde aber eine rigorose Regelung ,wie gefordert,nicht angebracht.

  4. 4

    Deine Meinung und den Artikel, wie ich ihn hier lese, finde ich entsetzlich. Du reduzierst das Leben von über 4000 Menschen auf eine Funktion und Taten, die sie vielleicht innehatten, die sie vielleicht begangen haben, vielleicht aber auch nicht. Die Toten denen hier gedacht wird, waren auch Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Freunde, Nachbarn… nicht nur Täter. Dies so undifferenziert zu betrachten, ohne einen Nebensatz darüber zu verlieren, dass die Schmierereien zumindest pietätlos sind, zeigt ein sehr einseitiges Geschichtsverständnis und einen Mangel an Empathie. Der Text ist zudem sicher keine Schande für die Stadt Bamberg. Sollte die Tafel abgehängt werden? Wahrscheinlich! Weil niemandem damit gedient ist, wenn Sie dort hängen bleibt…

    • Du findest es also Entsetzlich, dass ich ihnen nicht in “unauslöschbarer Dankbarkeit gedenken möchte”? Ich habe nichts gegen eine Gedenktafel die neutraler formuliert ist.

      Im übrigen steht vieles von dem was du schreibst im Text – ich gehe davon aus du hast es nicht gelesen. Ich gehe auch davon aus, dass du nicht andere Texte zu dieser Tafel auf unserer Seite gelesen hast.

      • Du hast tatsächlich einen Satz geschrieben, über den ich zu schnell gelesen habe und ich ziehe das “entsetzlich” hiermit zurück. Trotzdem ist der Ton nicht angemessen, der Artikel nicht differenziert genug…

  5. 5
    Hermann Klie

    Ich finde die Kritik an der Tafel undifferenziert. Wie Du selbst sagst wurde die Tafel in den 50er Jahren aufgehängt, also kurz nach dem Krieg und ist ein Zeitzeugnis der Menschen, die damals gerade erst anfingen die Grauen und Verluste des Krieges zu verarbeiten.
    Den Krieg heute noch unter dem Aspekt der Schuldfrage zu sehen, finde ich nicht mehr angebracht. Die Täter von damals sind entweder Tod oder steinalt und oft im Altenheim.
    Auf der Tafel wird auch Frauen und Kindern gedacht, die durch Bomben umkamen. Ob gerade in Bamberg so viele wichtige Kriegsziele waren, weiß ich nicht.

    Jeder Tote egal auf welcher Seite ist einer zuviel.

    Das die Worte in ewiger Dankbarkeit aus heutiger Sicht unpassend klingen ist klar. Aber genau dadurch ist es in meinen Augen ein bedeutendes Denkmal, weil es den Unterschied im Denken zwischen damals und heute deutlich macht. Wenn dieses Denkmal reizt, dann erreicht es genau seinen Zweck. ,,Denk mal!”

    Darum, weiter sauber machen, und in der Diskussion halten. Erst wenn alles weg geräumt ist, was an den damaligen Zeitgeist erinnert, ist der Boden bereitet das nach dem Vergessen die Wiederholung der selben Fehler kommt.

  6. 6

    Was hättest Du denn geschrieben, lieber Benjamin, wenn die Stolpersteine am Synagogenplatz von irgendeinem extremistischen und/oder besoffenen Volltrottel geschändet worden wären? Vielleicht auch den Spruch “Wenn man dieses “Zeitdokument” unbedingt erhalten will hat man die Möglichkeit, es in ein Museum zu hängen.”?!
    Rechtsstaat ist unteilbar. Wer auf Vandalen verständnisvoll reagiert, begibt sich in ihre erpresserischen Schweinepfoten…

    • Du verstehst mich da falsch Achim: Die haben ja jetzt scheinbar die Beschmutzer gefasst (Nachricht heute). Ich will das Ding immer noch abhaengen. Uebrigen haben wir auch fuer die haengenlassenfraktion genug alternativen zur Videoueberwachung bereits aufgezeigt.

  7. 7

    Vielleicht sollte man sich eher fragen warum die Tafel so lange dort unbeschadet hing und erst in jüngster Zeit solche Vorfälle auftreten? Bzw. warum Gegner der Tafel keine Unterschriftenaktion starten oder andere demokratische Wege gehen? Ich denke es hängt mit der Radikalisierung der Linken Szene zusammen. Die verabschiedet sich zunehmend komplett von der Rechtsstaatlichkeit und setzt auf Vandalismus und Hetze aus der Anonymität heraus. Ich kann auch kaum glauben, dass die gefassten Täter deutlich jenseits der 20 sein sollen. Ich hätte eher Antifa-Kiddies dahinter vermutet. Ich gehe davon aus die Aktion ging von der Antifa-Demo am Vortag aus, da war es von der Polizei auch K-L-U-K sich vorm Denkmal auf die Lauer zu legen. Auf jeden Fall besser als eine Kamera.

    Der Text der Tafel? Ach herrje, DIE sind gefallen, WIR haben überlebt – da kann schon mal ein Gefühl von Dankbarkeit aufkommen. Vielleicht ist man selbst ja auch kein Teil von “WIR” weil damit die damalige Generation gemeint ist? Im Kontext der Gedenktafel wenige Meter daneben gibt sich schon ein allumfassender Gesamteindruck. Mir erscheint Extremismus heute ein wichtigeres Handlungsfeld als Wortklaubereien um Vorvorgestern.

  8. 8

    es ist traurig zu lesen das sie diese tafel entfernen lassen möchten oder es in einen museum stecken. in den 1950er jahren steckte das aufarbeiten des nationalsozialismus und holocaust noch in den “kinderschuhen”. eine gedenktafel, egal aus welcher zeit sie stammt, ist immer auch ein mahnendes beispiel. sie soll verdeutlichen was passiert ist, damit soetwas nie mehr passiert. deswegen finde ich die idee, sie in ein museum zu stecken, in der ja unsere jugend so fleißig geht, genauso verstaubt. es ist unsere geschichte, auch wenn sie nicht immer erfreulich ist, und wir sollten zeigen das wir damit öffentlich umgehen können.

  9. 9

    Warum soll man diese Tafel abhängen oder ändern? Dann redet ja keiner mehr darüber oder macht sich Gedanken um das Geschriebene! Genau das was hier passiert ist damit gewollt – eine Auseinandersetzung mit genau diesem Thema. Und zwar jeder auf seine Art und Sichtweise.

    Ben ich denke es ist kein Schandfleck im Weltkulturerbe ermordeten Frauen und Kindern zu Gedenken. Für mich hast du zu schnell geschossen – lass doch vielleicht einfach den Satz mit den Soldaten entfernen – oder vielleicht doch nicht.

    “Alle Soldaten waren Menschen” …. das ist ja schon mal eine Aussage. Eine Aussage die nicht stimmt. Mordende Tiere trifft es schon besser. Denn wer hilflose Kinder oder Frauen in Lagern zu hunderten sinnlos hinmordet ist kein Mensch. Ein Mensch ist aber, wer dagegen etwas tut – wie alle Widerständler (Wie es Ben gesagt hat!)! Ben wie du siehst kann man bei so einem tiefgründigen Thema keinen Schnellschuss wagen. Denke dir mal die genannten Soldaten wären alle Widerständler gewesen, dann könnte Sie hängen bleiben. Wären es Aufseher in den Lagern gewesen, müsste diese Tafel einfach nur weg.
    Der Gedanke eines jeden Einzelnen macht diese Tafel besonders. Ich sehe WIDERSTÄNDLER! Mann sollte, nach meiner unmaßgeblichen Meinung, an die “Guten” denken, denn diese sind es wert in Erinnernung zu bleiben, die “Bösen” nicht.
    Keiner will den Minustypen danken, niemals…… das ist eine reine Behauptung deinerseits.

    Die Tafel muss bleiben – alles andere wäre dem Sinn und Zweck des Seins dieser Tafel entgegengesteuert.

    Sämtliche Befindlichkeiten von Parteien oder Gruppen haben hier Nachrang und sind zum Wohle aller zurückzustellen. Das Thema ist viel zu sensibel, um es “wegzuhängen”.

    Gerade die Fähigkeit des miteinander REDENS zeichnet uns aus – und nicht aus den Augen aus dem Sinn.

    Gruß

  10. 10

    Hallo Ben

    Mir erschließt sich aus Deinem Beitrag nicht wirklich, aus welchem Grund Du “das Ding” (immer noch) abhängen willst.
    Die Verharmlosung der unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangenen Handlungen der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art ist in Deutschland verboten (§130 Abs. 3). Denkst Du, dass die Gedenktafel so einzuschätzen ist?
    Oder bist Du allgemein gegen ein “Gedenken in unauslöschbarer Dankbarkeit” an Soldaten, durch Bombenangriffe Gefallene und Vermisste, nicht aber an ein solches Gedenken an Widerstandskämpfer?
    Oder stört es Dich, dass “dieses Ding” Zielscheibe von gegenteiliger Meinung ist und damit Kosten verursacht?
    Und was meinst Du mit “nach dem Motto: “Wenn du etwas von mir kaputt machst, mache ich etwas von dir kaputt” “? Ist das Anbringen einer Überwachungskamera zur Feststellung von Tätern einer Sachbeschädigung “kaputtmachen”?
    Du schreibst: “So lange man es an dieser Wand hängen lässt, sagt man damit aus, dass man die Aussagen auf dieser Tafel teilt.” Wer ist denn Deiner Meinung nach in diesem Zusammenhang der “man”?
    Und eine “Erklärtafel” sollte wohl nach der Mitteilung, auf die Du verweist nach Überzeugung der CSU eben gerade nicht angebracht werden.

    Ich denke, in einer Stadt wie Bamberg, die zum Teil ein Teil des Weltkulturerbes ist, sollte auch Platz sein für “Dinge”, die nicht mehr “dem Zeitgeist” entsprechen.
    Ob dann eine solche Tafel dort hängt, sollte “demokratisch” entschieden werden, und in diesem Fall ist das wohl der Stadtrat, der für diese Entscheidung zuständig ist.
    In keinem Fall würde ich es gut heißen, wenn “anonyme Beschmutzer” – egal wie massiv tätig – bestimmen, was in einer Stadt auf Gedenktafeln gezeigt wird und was nicht.
    Ich will mir auch nicht wirklich vorstellen, dass Du das damit zum Ausdruck bringen wolltest, als Du geschrieben hast “Ich muss sagen, mir langt es.”

    Im Übrigen kann ich in vielen der kritischen Antworten hier erkennen, dass es einige tatsächlich differenzierter sehen, was ich sehr begüße.

    JoH

  11. 11

    [...] einiger Zeit eine Videoüberwachung an der Oberen und Unteren Brücke beschlossen zum schutz der unpassenden Gedenktafel für gefallene Deutsche Soldaten. Schon vor dem Beschluss hatte ich versucht lautstarken Protest zu [...]

  12. 12

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  13. 13

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