Moderne Politik lokal gestaltet
Atrium Bamberg Original Bild von Jan Schmidt - CC-BY-SA

Der Verkaufsflächenwahn

Foto des Einkaufszentrum Atrium in Bamberg

Es ist eine Renovierung des Atrium geplant
Fotooriginal: Jan SchmidtCC-BY-SA

Manchmal sind es Momente, die einen zum Nachdenken bringen. Mir ist das vor kurzem passiert, als ich auf inFranken las, dass das Atrium renoviert werden soll. Im Gespräch sei wohl auch eine Vergrößerung in das gegenüberliegende alte Postgebäude. 40 000 m² Verkaufsfläche könnten so insgesamt mehr oder weniger “neu” entstehen. Zumindest, wenn es nach den Wünschen der Investoren ginge.

Ein schönes Einkaufszentrum in Bamberg, wäre doch was oder? Genau deswegen wird auch das Quartier an der Stadtmauer geplant. Direkt an der Innenstadt soll es die Attraktivität der Langen Straße erhöhen und für ein schönes Einkaufsgefühl sorgen – mit neuen 14 000 m². Mit weniger wäre das ganze nicht attraktiv für die Investoren. Im Bamberger Hafen wird das Ertl-Zentrum vergrößert: Dort sollen weitere 7 000 m² erschaffen werden. In Hallstadt wird neben dem Market der dann dritte Baumarkt im Hafen/Hallstadt gebaut. In Trosdorf (Gemeinde Bischberg) entsteht auf dem Gelände des ehemaligen E-Centers – der mangels Masse aufgeben musste – ein Kaufland mit angeschlossen großen Schuhgeschäfts (Mücke).

Wenn man sich anschaut wie heftig derzeit die Schlacht um die Verkaufsflächen geführt wird, könnte man meinen, Bamberg wäre in den letzten drei Jahren explodiert. Sicherlich steht Bamberg auch im Gegensatz zu anderen Städten im Fränkischen ganz gut da – aber rasantes Wachstum bedeutet das nun nicht. Die Politik scheint diesen Wahn nicht nur zu begrüßen, sondern auch noch zu befeuern. Alle bauen aus, um den anderen das Geschäft wegzunehmen und die Gewerbesteuereinnahmen in die eigene Gemeindekasse zu bewegen.

Klar ist aber: Die Gesamtmasse an Verkaufsfläche kann derzeit gar nicht gebraucht werden und Regions- beziehungsweise Städteplanung ist ein langfristiges Geschäft. Verkaufsflächen, die man jetzt schafft, bestehen mindestens 20 Jahre, in der Regel sogar noch länger. Es lohnt sich daher durchaus gründlich darüber nachzudenken, ob diese Entwicklung insgesamt nachhaltig ist – und da kommen Zweifel auf.
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