Kameras für mehr Sicherheit?
Foto: Udo Springfeld – CC-BY
Erinnert ihr Euch? Der Stadtrat Bamberg hat vor einiger Zeit eine Videoüberwachung an der Oberen und Unteren Brücke beschlossen zum schutz der unpassenden Gedenktafel für gefallene Deutsche Soldaten. Schon vor dem Beschluss hatte ich versucht lautstarken Protest zu organisieren.
Wir Piraten haben uns auf unserer Gründungsversammlung natürlich eindeutig gegen die Videoüberwachung ausgesprochen. Sie ist inneffizient, unnötig und schränkt unser aller Freiheit unangemessen ein.
Wie ineffizient sie ist tatsächlich ist, habe ich jetzt durch eine Informationsfreiheitsanfrage an die Stadt Bamberg herausgefunden. Nach den Sitzungsunterlagen der Stadtratsitzung, in der der damaligen Beschluss erging, sollen die Kameras pro Stück 600-700 Euros Kosten. Wenn ich die Dokumente verstehe, sollte die Installation der Kameras usprünglich so um die 1.500 Euro kosten.
Warum die Kameras 18 Monate nach dem Stadtratsbeschluss noch nicht hängen liegt wohl vor allem an einer massiven Kostenexplossion. Die Kameras und alles weitere soll ganze 13.000€ kosten. Die jährlichen Wartungskosten von 750 Euro sind dabei schon ein absolutes Schnäppchen. Allerdings immer noch etwas viel, wenn man bedenkt, dass das Reinigen der Gedenktafel, dessen Verschmutzung die Kameras verhindern sollen, nur 700 Euro kostet. Wenn man sich die Häufigkeit der Anschläge ansieht, dann können alleine die Wartungskosten mit den Reinigungskosten fast schon mithalten.
Faszinierend finde ich auch die Einschätzung des Datenschutzbeauftragten der Stadt Bamberg, der die Maßnahme scheint sehr schnell durchgewunken hat. Richtig ist durchaus, dass es nach Rechtslage möglich ist. Allerdings hätte ich schon erwartet, dass man das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu einer ähnlichen Maßnahme in Regensburg ernster nimmt.
Die geplante Videoüberwachung ist ein intensiver Eingriff. Sie beeinträchtigt alle, die den betroffenen Raum betreten. Sie dient dazu, belastende hoheitliche Maßnahmen vorzubereiten und das Verhalten der den Raum nutzenden Personen zu lenken. Das Gewicht dieser Maßnahme wird dadurch erhöht, dass infolge der Aufzeichnung das gewonnene Bildmaterial in vielfältiger Weise ausgewertet, bearbeitet und mit anderen Informationen verknüpft werden kann. Von den Personen, die die Begegnungsstätte betreten, dürfte nur eine Minderheit gegen die Benutzungssatzung oder andere rechtliche Vorgaben, die sich aus der allgemeinen Rechtsordnung für die Benutzung der Begegnungsstätte ergeben, verstoßen. Die Videoüberwachung und die Aufzeichnung des gewonnenen Bildmaterials erfassen daher – wie bei solchen Maßnahmen stets – überwiegend Personen, die selbst keinen Anlass schaffen, dessentwegen die Überwachung vorgenommen wird.
Was ich allerdings am bedauerlichsten finde ist, dass wir nicht von Gerichten, Datenschutzbeauftraten oder unseren demokratisch gewählten Gremien wie dem Stadtrat vor der unangemessenen Einschränkung unserer Persönlichen Freiheit und Informationellen Selbstbestimmung geschützt werden, sondern nur dadurch, dass der Verwaltung die Projektkosten aus dem Ruder laufen. Wir haben Glück, dass sie nicht Wissen was sie tun.
Wenn ihr euch selbst ein Bild machen wollt: Wir Piraten stellen euch natürlich alle Dokumente, die wir von der Stadtverwaltung erhalten haben anonymisiert zu Verfügung:
Anschreiben
Sitzungsvortrag
Anlage 1 zum Sitzungsvortrag (Stellungnahme Kriminalpolizei)
Anlage 2 zum Sitzungsvortrag (Auflistung Vorfälle)